Skip to main content
Der Struktureditor kuratiert die juristische Intelligenz des LCM. Der LCM stellt seinen Nutzer:innen die juristischen Strukturen, Prüfschemata und Templates für ca. 50 % der zivilgerichtlichen und ca. 60 % der arbeitsgerichtlichen Streitigkeiten vor deutschen Gerichten “out of the box” zur Verfügung. Die Nutzer:innen können zudem auf “no code basis” - also ohne jede Programmier-Kenntnisse in einer anwenderfreundlichen Eingabemaske - ihr eigenes Wissen strukturiert im LCM integrieren und in der juristischen Fallbearbeitung anwenden. Das Wissen der Organisation bleibt erhalten, auch wenn Mitarbeitende ausscheiden. Die Einarbeitung neuer Mitarbeitenden wird erleichtert, da das juristische Wissen und die Erfahrung in der Datenbank erhalten bleibt.
Image

Knowledge-Management

Validierte juristische „Playbooks“ (Normstrukturen, Prüfschemata, Definitionen und Vorlagen) kuratieren das juristische Wissen und Know-how der Richter:innen und Rechtsanwält:innen und unterstützen diese bei der juristischen Fallbearbeitung. Der Struktureditor ist das Knowledge-Management-System für Gerichte, Rechtsanwaltskanzleien und Rechtsabteilungen.
„Playbooks“ sind validierte digitale Workflows, Automatisierungen, juristische Prüfschemata, Definitionen und vordefinierte Regeln sowie Textbausteine und Vorlagen. Ein die gesamte Organisation übergreifendes Knowledge-Management-System mit intelligenten juristischen Prüfschemata und korrespondierenden Textvorlagen löst das bisherige Silowissen einzelner Richter:innen ud Rechtanwält:innen ab. Der Struktureditor kuratiert das Wissen dauerhaft für die Abteilungen der Organisation.

Vorteile

Juristische Playbooks schaffen einen großen praktischen Mehrwert in juristischen Entitäten, der in der Justiz und Anwaltschaft bislang nicht hinreichend genutzt wird:
  • Playbooks gewährleisten erstens einheitlich hohe Qualitätsstandards und konsistente Ergebnisse bei der juristischen Fall- und Verfahrensbearbeitung, da z.B. die Jurist:innen auf das kuratierte und geprüfte Wissen der Kolleg:innen zurückgreifen können, ohne die individuellen Besonderheiten des Einzelfalls zu vernachlässigen. Dadurch werden Fehler und Risiken reduziert.
  • Zweitens gehört damit die nach wie vor gelebte Praxis des Copy and Paste relevanter Inhalte aus alten Vorlagen der Vergangenheit an. Das zur Falllösung relevante Wissen steht abrufbereit zur Verfügung (Wissensmanagement). Die Zeitersparnis bringt neue Effizienz, gerade bei unbekannten und seltenen Fallkonstellationen.
  • Juristische Playbooks schaffen drittens den in der Justiz und Anwaltschaft bislang fehlenden Wissenstransfer innerhalb der eigenen Orgnaisation: Das Know-how der erfahrenen Mitarbeitenden wird zentral kuratiert und steht beispielsweise auch nach dem Ausscheiden von Mitarbeitenden den neuen Mitarbeitenden direkt zur Verfügung. Die Einarbeitung neuer Kolleg:innen bedarf nur einen kleinen Teil der sonst dafür benötigten Zeit, das mühsam erworbene Wissen bleibt der Organisation und deren Mitarbeitenden erhalten.
Die Nutzer:innen des LCM beteiligten sich aktiv und erstellen vertrauenswürdige, sichere und transparente Inhalte für sich selbst, für ihre jeweilige Abteilung, für die Organisation oder für alle LCM-Nutzer:innen. Diese Playbooks werden im LCM einheitlich kuratiert und können mit den Kolleg:innen geteilt werden.

Zukunft: vertikale KI Integration

Dieser Meilenstein schafft mit dem branchenspezifischen Wissen die Grundlagen für die sich in späteren Meilensteinen anschließende daten- und KI-basierte Unterstützung der Jurist:innen bei der Aktenbearbeitung, Falllösung und Entscheidungsfindung (so genannte vertikale KI Integration, in Abgrenzung zur branchenunspezifischen horizontalen Integration „allgemeiner“ Digitalisierungsbemühungen). Die Allokation des branchenspezifischen (vertikalen) Wissens nimmt eine zentrale Rolle bei der Implementierung von KI in Prozesse und Workflows ein. Mit dem Struktureditor des LCM wird die zentrale (Daten-) Grundlage für ein nachhaltiges Kuratieren des relevanten juristischen Wissens gelegt. Dieses juristische Strukturwissen schafft die Voraussetzungen für den im weiteren Verlauf der Entwicklung des LCM geplanten Einsatz sicherer und vertrauenswürdiger KI-basierter Assistenz- und Automatisierungssysteme. Die juristischen Daten bestimmen die Qualität der Ergebnisse der KI-Augmentation. Wer das Wissen besitzt und weiter verarbeitbar kuratiert, legt den Grundstein für die weitere Digitalisierung der Justiz und Anwaltschaft, unabhängig von den sich schnell ändernden technischen Entwicklungen. Bereits heute ist ersichtlich, dass nicht die Qualität der KI-Modelle, sondern der strukturierten juristischen Daten entscheidend ist. Selbst Open-Source-KI-Modelle, die auf den Laptops der Nutzer:innen lokal und ohne Anbindung ans Internet betrieben werden können, führen zu Steigerungen bei der Qualität und Effizienz juristischer Tätigkeiten. Diese mit „(Legal) Context Engineering“ bezeichnete Aufgabe fokussiert auf die juristischen Ergebnisse und Lösungen, anstatt ausschließlich die neueste technische Weiterentwicklung von KI zu berücksichtigen. Die juristische Wissensarchitektur wird im Struktureditor des LCM für den KI-Einsatz konzipiert, kuratiert und aktualisiert - und zwar generisch mit allgemeinen validierten Strukturen und spezifisch mit dem konkreten Wissen der jeweiligen Nutzer:innen, Abteilungen und Organisationen. Die Qualität der juristischen Daten determiniert die Ergebnisse der KI-Anwendung. Die KI ist nur so gut wie der Input des juristischen Ökosystems („garbage in, garbage out“). Der qualitativ hochwertige, effiziente, sichere, vertrauenswürdige und nachvollziehbare Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der juristischen Arbeit hängt kurz- und mittelfristig entscheidend von der verfügbaren Datenbasis ab. Das juristische Wissen in den Playbooks des LCM schafft die entscheidenden Leitplanken für den KI Einsatz. Erst dieses juristische Wissen schafft die Grundlage für qualitativ hochwertige KI-Ergebnisse und für einen effizienten Einsatz von KI im juristischen Kontext. So ist die Zeit zur Kontrolle der Ergebnisse der KI nicht höher als die Zeit zur Erstellung der juristischen Ergebnisse ohne Einsatz von KI.

Strukturen verschiedener Rechtsgebiete

Konzipiert wurde der Struktureditor zunächst für zivilrechtliche Strukturen. Der LCM ordnet mit dem Strukturierungstool in der Dokumentenansicht den Prozessstoff einer Verfahrensakte eines Privatrechtsstreits nach den streitentscheidenden Informationen betreffend a) das Rubrum, b) das Verfahren (Sachurteilsvoraussetzungen, insbesondere Zulässigkeit) und c) das materielle Recht (die Informationen zu den relevanten Anspruchsgrundlagen und Gegennormen). Die juristische Normenlehre mit der Norm als Oberbegriff, den Tatbestandsvoraussetzungen und der Rechtsfolge gilt aber in allen Rechtsgebieten. So ist der Struktureditor heute in allen Rechtsgebieten einsetzbar, insbesondere:
  • Legal Operations, z.B. mit allgemeinen Arbeitshilfen, Vorgaben für die Erstellung von Memoranden (wie z.B. der Insolvenzantragspflicht), Vertragstemplates (wie z.B. NDA), Strukturen für das vorgerichtliche Forderungsmanagement u.a.
  • Öffentliches Recht
  • Strafrecht und OWiG, z.B. zur Bearbeitung datenschutzrechtlicher Bußgeldverfahren
  • Zivilrecht, insbesondere mit Vorgaben zu den verfahrensrechtlichen Voraussetzungen und materiellen Normen (mit Anspruchsgrundlagen und Gegennormen)
  • und anderen Rechtsgebieten, wie z.B. das Sozialrecht u.a.